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Betrachtung von Gelenksproblemen aus Ayurvedischer Sicht

Zuerst einmal sollten wir den Aufbau eines Gelenkes betrachten. Ein Gelenk besteht im Prinzip aus vier Teilen: einer Gelenkspfanne, in der sich der Gelenkskopf oder die -kugel bewegt, einer Kapsel, die das ganze Gelenk umschließt, und einer Gelenksschmiere (Synovia), die ein weiches und reibungsloses Gleiten der Gelenksteile ermöglicht. Pfanne und Kopf sind mit einer Knorpelschicht überzogen, um das Gelenk glatter und stabiler zu machen.

Die Gelenksschmiere, die im Ayurveda Sleshaka-Kapha genannt wird, ist wesentlich für die Funktion und Gesundheit des Gelenks. Wie der ayurvedische Ausdruck schon besagt, gehört sie zum Bereich des Kapha-Dosha. Die Gelenksschmiere hat zwar die vordergründige Aufgabe, das Gelenk zu schmieren, also ein weiches, reibungsloses Gleiten zu ermöglichen, aber eine wichtige Aufgabe besteht auch darin, den Knorpel widerstandsfähig zu halten und diesen auch zu ernähren. Außerdem schützt die Gelenksschmiere das Gelenk, indem sie durch die Füllung des Gelenksspalts Druck und Stöße abpuffert. Bei einem gesunden Gelenk sollte es also zu keinerlei Blockaden, Abnutzungen oder anderen Defekten kommen.

Da aber jedes Dosha – das Wort Dosha bedeutet immerhin „das, was verdirbt“ – eine Tendenz hat, bei einem Anschwellen zu einer Störung zu führen, können vielerlei Beschwerden in den Gelenken auftreten, je nachdem, welches Dosha als Störfaktor wirkt.

Die häufigste Form einer Gelenkserkrankung ist die Arthrose. Arthrose heißt im ayurvedischen Sprachgebrauch Ama-Vata. Wie aus diesem Ausdruck schon zu ersehen ist, sind die Ursachen dieser Störung sowohl ein Ungleichgewicht des Vata-Dosha als auch eine Ama-Belastung. Vata steuert unter anderem im Zusammenspiel mit Kapha den Wasserhaushalt. Kapha lagert Wasser in die Gewebe ein und macht diese weich und geschmeidig. Vata wiederum entzieht den Geweben das Wasser und trocknet sie somit aus. Liegt eine Erhöhung des Vata-Doshas im Gelenk vor, so ist Kapha nicht mehr in der Lage, ausreichend Gelenksschmiere zu produzieren. Dies wirkt sich in vielerlei Hinsicht nachteilig auf das Gelenk aus:

1. Die Gelenksschmiere ist nicht mehr in der Lage, ein weiches Gleiten der Gelenksteile ohne direkte Berührung zu ermöglichen. Es kann also passieren, dass Knorpel auf Knorpel reibt.
2. Wenn nicht ausreichend Gelenksschmiere vorhanden ist, wird auch der Knorpel nur mangelhaft ernährt, was dazu führt, dass er seine Kompaktheit und Widerstandsfähigkeit verliert und auffasert. Dadurch wird die glatte Oberfläche des Knorpels zerstört.
3. Durch die Reduzierung der Gelenksschmiere verringern sich der Gelenksspalt und somit auch die Pufferung, sodass Stöße direkt auf die Gelenksteile wirken können. Durch die Reduzierung des Gelenksspalts verändert sich auch die Statik des Gelenks, was wiederum Bänder und Muskeln in Mitleidenschaft zieht.

Gelenksprobleme aus Ayurvedischer Sicht

Zu diesen Problemen kann noch hinzukommen, dass das erhöhte Vata Ama, also Verdauungsschlacken, in das Gelenk einlagert. Der Körper ist stets bemüht, seine Schlacken weit in der Peripherie, also in den für den Körper nicht lebensnotwendigen Bereichen, abzulagern. Wenn sich dieses Ama – im Falle von Arthrose handelt es sich meist um Harnsäurekristalle – jedoch im Gelenksspalt ablagert, greifen diese Kristalle wiederum die Oberfläche des ohnehin schon geschädigten Knorpels an und führen zu einem noch schnelleren Verschleiß.

In diesem Falle ist der therapeutische Ansatz

1. eine Wärmebehandlung, da dadurch einerseits die Durchblutung, also die Versorgung des Gelenks, angeregt und andererseits das Vata reduziert wird, etwa durch Bestrahlung mit Rotlicht oder warme Packungen (Fango, Lehm), aber auch ein Beutel mit erhitztem Sand bringt Linderung.
2. Da Vata trockene Eigenschaften hat, kann man durch gezielte Ölmassagen den Abbau des Gelenks stoppen und im günstigsten Fall den Wiederaufbau des Knorpels forcieren. Ideal ist hierbei ein therapeutisches Vata-Öl, ein mit Vata reduzierenden Kräutern aufbereitetes Massageöl.
3. Eine Vata-reduzierende Lebensführung und vor allem eine Diät sind ebenso sehr wichtig.

Eine weitere wichtige Erkrankung der Gelenke ist die Arthritis, also eine Erkrankung durch ein erhöhtes Pitta-Dosha. Hat sich das Pitta-Dosha erhöht, verbreitet es sich (meist über das Blut) und setzt sich an einer Schwachstelle bzw. einem vorgeschädigten oder verletzten Körperteil fest, z. B. an einem vorbelasteten Gelenk, wodurch eine Gelenksentzündung, eine Arthritis entsteht. Die Entzündung im Gelenk verstärkt wiederum die Reduzierung der Gelenksschmiere und den Abbau des Knorpels.

Eine weitere Möglichkeit für eine Gelenksentzündung ist eine bakterielle Infektion. Hierbei gelangen über die Blutversorgung Erreger in das Gelenk, was zu einer Entzündung mit den oben geschilderten Folgen führen kann. Bei Gelenksentzündungen ist es wichtig, dass abgeklärt wird, ob die Entzündung eine körperliche Abwehrreaktion oder eine bakterielle Infektion ist.

In diesem Fall ist der therapeutische Ansatz:

1. Kühlen, z. B. durch kalte Kompressen oder Auflagen.
2. Massage mit Pitta-Öl. Hierbei handelt es sich um Kokosöl, das mit Pitta-reduzierenden Kräutern angereichert ist.
3. Eine Pitta-reduzierende Lebensführung und Diät, aber auch entzündungshemmende Medikamente.
4. Sinnvoll ist auch die Therapie mit blutreinigenden Tees zur Entgiftung des Blutes.

In seltenen Fällen kann es auch zu Gelenksbeschwerden durch ein erhöhtes Kapha kommen. Dies kann z. B. zu einer Schwellung im Gelenk führen. Hierbei wird Gewebswasser im Übermaß in das Gelenk eingelagert, was zu einem Anschwellen des Gelenkskörpers führt.

In diesem Fall ist der therapeutische Ansatz:

1. Kapha-Reduzierung durch Regelung des Wasserhaushalts.
2. Überprüfung und Stärkung des Kreislaufs, z. B. bei geschwollenen Fußgelenken.
3. Im gegebenen Fall Gewichtsreduzierung, in jedem Fall Kapha-reduzierende Lebensführung und Diät.

Bei einer Erkrankung der Gelenke sollte stets ein Arzt aufgesucht werden, der die genaue Ursache der Beschwerden diagnostizieren und einen geeigneten Therapieplan erstellen kann. Andernfalls kann aus einer akuten Störung eine chronische Krankheit mit einem ernsten Verlauf werden.

Reinhart Schacker
CAS Ayurveda-Spezialist

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